Böse Vorarlberger: Hearad – das neue Album von HMBC

Hat sich da heimlich eine Metamorphose vollzogen? Ist der Holstuonarmusicbigbandclub etwa mutiert? Sind die Vorarlberger Vorzeigemusikanten wirklich zur brutalen Gang geworden? Das Cover des neuen Albums „Hearad“ lässt das Schlimmste vermuten. Ob die Musik da schritthalten kann? Hören wir mal!

Wahrscheinlich hat der Stylist für’s Foto zur Inspiration am Vorabend die „Clockwork Orange“-DVD eingelegt, logisch schlecht geschlafen und am nächsten Morgen dann zu viel Schminke verwendet. Denn schon die erste Nummer lässt die schlimmsten Befürchtungen in der Sekunde vergessen. „Kilbe“ ist nach dem knabenchörlichen Eingang ein Stimmungsheber wie aus dem Lehrbuch. Zum Glück kein Einzelstück! Es gibt noch viele Nummern der Fast-nur-Bläser-Combo, die den Hits von Good Mood-Heroen wie Jack Johnson („Wild West Coast of Austria“) oder von Funkikone Prince („Discokatz“) im Mitreißpotential in nichts nachstehen. Eine Nummer größer wird es mit dem monumentalen Miniaturmusical „The World“, das an die Truppe um den großen Freddie Mercury erinnert und eigentlich den Titel „Queen of Austria“ verdient hätte.

HMBC = Queen of Austria!

Zuckersüß und intim dagegen die Liebeserklärung an eine Nase („Naso“). Aufgrund des gezügelteren Tempos ist dabei auch für Restösterreicher einigermaßen, wenn auch nicht vollständig, zu verstehen, was Sänger Philipp Lingg zu sagen hat. Das ist halt das Risiko, wenn man im Idiom einer so kleinen Sprachgemeinschaft schreibt. Aber kein großes, solange die Musik gut ist. Dann kann man auch lateinische Verse vertonen und hat trotzdem Fans außerhalb des altsprachlichen Gymnasiums. An dieser Stelle noch ein paar Worte zu den sicher nicht nur zur Auffettung dazugegeben Instrumentalnummern und -parts. Hier wird es heterogener. Volksmusiken zwischen Sizilien, Irland und Mexiko scheinen Eindrücke, mehr noch Abdrücke bei den fünf Holstuonar Herren hinterlassen zu haben. Die Musiker laufen dabei zu technischer und musikalischer Hochform auf, verletzen aber niemals die Grenzen dessen, was man Hörern zumuten kann, für die Gefälligkeit kein Schimpfwort ist. Will sagen: virtuos gespielt, doch völlig frei von unangenehmer Selbstdarstellung.

Glücksgefühlspendierer außer Dienst?

Metallica, hier spürt man schweres Geschütz und Düsternis. Am Ende der Nummer bleibt nur ein einsames Ticken. Haben wir uns also nicht getäuscht und sind tatsächlich wieder beim Ausgangspunkt gelandet, bei „Uhrwerk Orange“? Wir hoffen, „Hearad“ ist kein vertonter autobiografischer Entwicklungsroman und aus Glücksgefühlspendierern werden am Ende keine Höllenhunde mit einem Faible für Endlichkeit.

REZENSION für www.MUSICAUSTRIA.at

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