The Willit Blend – Rainbow’s End

Die Googlesuche zu ‚Willit Blend‘ führt – noch! – schnurstracks zur Homepage eines amerikanischen Mixerherstellers, der nicht davor zurückschreckt, in seinen Erzeugnissen Mobiltelefone mit Fruchtlogo im Wert mehrerer Monatsmieten werbewirksam zu schreddern, um damit die Frage „Will it blend?“ eindrücklich nonverbal zu beantworten. Nun, auf der vorliegenden Platte  von The Willit Blend mit dem Titel „Rainbow’s End“ (interessant: der Startknopf des Mixers heißt ganz ähnlich!) geht es nicht um das Pulverisieren der einzelnen Bestandteile, aber natürlich doch um die Frage „Wie mischen sich die Zutaten?“ oder kürzer: „Geht das so?“

Die Zusammensetzung aus sechs jungen Menschen frisch von der Musikhochschule lässt sowieso nicht gerade Zweifel an der Homogenität einer Band aufkommen, auch Bass, Schlagzeug und Klavier wirken nicht wie Instrumente, die keine gemeinsame Geschichte haben und für die Melodie noch ein Holzblasinstrument und eine Trompete klingt ebenfalls wie business as usual. Die Prise Stimme macht auch noch kein Novum. Das Besondere dieser Mischung muss also im Verhältnis liegen!

Erstens: Wo andere Formationen eher wie ein Ensemble wirken, aus dem stets einer nach vorne tritt und dabei die anderen nur begleiten, steht hier der Zusammenklang über weite Strecken im Vordergrund. Überflüssig ist zu sagen, dass das Schema ‚Thema – Improvisation – Thema‘ kein Thema ist, ein starker Anteil ist ohne Symmetriezwänge auskomponiert, trotzdem gibt es genügend Raum zur freien Entfaltung.

Zweitens: Alben, die stilistisch nur in eine Richtung gehen, gibt es außerhalb von Metal nicht einmal bei James Last, also erst recht nicht bei einer modernen Jazzband, die Jazz vermutlich nur im Namen hat, um irgendwo im großen Kasten der Nicht-Popmusik ein halbwegs vertrautes Schublädchen zu finden. So erstreckt sich das Stilspektrum von einer Art Nordic Jazz (Eingangsnummer „Perception“) über 70er-Jahre Happy Island-Sound, der an die Musik zu „Vier Fäuste gegen Rio“ erinnert („Mary’s Tale“), und überhaupt szenischer Vertonung (der Beginn von „Waterfalls“) bis zu Latin Bebop („The Chase“) und beinahe schon restaurativen Swing (wunderbar „My one and only Waltz“). Die Auswahl umfasst darüber hinaus einen innovativen Umgang mit Material und Medien. So heißt eine der ausschließlich eigenen Kompositionen „Warteschleife“, ist Programmmusik und Montage zugleich, und lässt einen ganz schnell ahnen, dass einem am anderen Ende der Leitung nichts Gutes – vielleicht die geschlossene Psychiatrie? – erwartet. Der letzte Titel, „Driftin‘“, dagegen erweckt den Eindruck eines reduziert vertonten Gedichts, das dem Tagtraum huldigt und fast schon abrupt mit dem Vers „I used to neglect what the future will bring“ schließt.

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