Nouvelle Cuisine im Porgy & Bess

Paul Bocuses Nouvelle Cuisine steht in Wiener Beiseln nicht gerade hoch im Kurs. Da bevorzugt man Fettes. In Wiener Jazz-Clubs schaut das ganz anders aus. Gerade weil fett, liebt man dort „Nouvelle Cuisine“, allerdings die von Christoph Cech und Christian Mühlbacher.

Die „Big Band mit Tuba“ servierte im Porgy & Bess am 12.11.2011 wirklich deftige Kost, die man sich wünscht, wenn man ein Konzert mit so einer Bläserriege besucht. Da änderte auch der heiter-unschuldige Programmtitel Swing nicht viel. Natürlich braucht der Sturm auch seine Ruhe, um wieder Luft holen zu können und so wurden leisere Flügelhornsoli eingebaut oder Dämpferwechseleskapaden wie im Trompetenkonzert „Trumpet Masala“, das, wie der Titel schon verheißt, stark indisch gewürzt war.

Weltmusik im Shuffle-Groove

Überhaupt wäre „Musik der Welt aus der Sicht eines Swing-Orchesters“ vielleicht der treffendere Namen für den Abend gewesen. Warum man den nicht benutzte, liegt auf der Hand. Die kunstvolle Verknappung hält zudem Erwartungen klein und macht die Überraschung groß: Z.B. über Noumanji, ein wirklich elefantöses Opus, das Gebrüll und Getrampel einer Dickhäuterherde spürbar machte, nicht nur über die Ohren, sondern über den Körper, auch wenn man inmitten der Komposition zwei ganz und gar leichtgewichtige Instrumente, nämlich Sopransaxophone, aufeinander losließ. Programmmusik im klassischen Stile wurde jedoch auch nicht geboten. Hörbarkeit trotz Lautstärke war angesagt und wenn man das Wort experimentell verwenden müsste, dann allerhöchstens zu Anfang der das Programm schließenden Suite, denn auch das Bassposaunen-Feature in der zweiten Konzerthälfte war zwar ungewöhnlich das Instrument betreffend, ansonsten aber nicht im Geringsten eine Hörgewohnheit verletzend.

Die Big Band als Universal-Orchester

Nach sphärischem Eingang am Keyboard folgte im letzten Stück ein Konglomerat populärer Musikstile: Funkgroove wie in der Disco der Siebziger, Geheimagentenfilmmusik mit Sean Connery-Gedächtnisgarantie, Ska, der den Keller zum Tanzen brachte und zum Schluss knüppelharten Rock, der zeigte, wie schade es ist, das Big Bands als Klangkörper so wenig eingesetzt wird.

Nun ja, außer der Zugabe gab es nicht so viel Swing für Puristen. Dass alles doch immer swingte, hänge, so Cech, mit der Erfahrung zusammen, die die beiden Maîtres der Nouvelle Cuisine dereinst während ihres Studiums machten. Schließlich wohnten beide in einer WG.

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