Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2

So, aus der Zauber! Mit der abgeschlossenen Leinwandadaption des letzten Buches sind die Abenteuer des Zauberlehrlings nun auch filmisch zu einem Ende gelangt. Das sorgt bei manchem Fan wahrscheinlich für leise Tränen, konnte man sich doch bisher immer auf die Fortsetzung freuen – ganze sieben Mal. Jetzt ist Schluss mit Vorfreude. Es sei denn, man hat den Film noch nicht gesehen. 

Alle Filme der Reihe waren gute Adaptionen ihrer literarischen Vorlage. Sie wurden besser mit den Büchern, wurden erwachsen mit ihren Protagonisten. Zwar konnten die vielen inneren Kämpfe des jungen Harry, seine Wut, sein Ärger, seine Ängste und Sorgen im Film nie so abgebildet werden wie in den seitenlangen Passagen der Bücher, doch hat das nie geschadet. Film funktioniert eben anders. Der innere Monolog gehört nicht zu seinen Stärken, schon gar nicht im populären Genre. In diesem letzten Teil jedoch kommt wirklich etwas zu kurz, was die Geschichte für nur den Nur-Schauer und Nicht-Leser hochwertiger gemacht hätte. Albus Dumbledore, seines Zeichens ehemaliger Hogwarts-Direktor und allseits bewunderte Zauberkoryphäe (er stirbt am Ende des sechsten Teils), ist eine Lichtgestalt, auch und vor allem für den jungen Harry Potter und seine Freunde. Doch diese Lichtgestalt hat dunkle Stellen in ihrer Vita, sie hat eine Vergangenheit. Das große Verdienst des Buches ist, dieser Vergangenheit Platz einzuräumen und damit das Gut-Böse-Konzept endgültig zu sprengen, was ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung des Dramas, seiner Figuren und im Leben eines jeden Menschen sein muss. Hier wurden an der falschen Stelle Minuten gespart.

Teenie-Pathos in Neo-Gotik

Stattdessen wurden Schnulz-Kussszenen in den Film bugsiert, die im Buch nicht zu finden und eher peinlich als romantisch sind. Die Autorin war zwar auch Co-Produzentin – vielleicht hat sie sich dazu breitschlagen lassen.

Petersdom Harry Potter Die Heiligtümer des Todes Teil 2

Ansonsten ist der Film natürlich aufwendig inszeniert, mit wahnwitziger Liebe zum Detail. Den Designern und Effektspezialisten muss an dieser Stelle gehuldigt werden. Neben der historistischen Architektur überall sind vor allem die Trolle in der Zaubererbank Gringott’s ein Augenschmaus. Ein Ohrenschmaus dagegen die Schauspieler, wenn man das Vergnügen hat, sie in der englischen Originalfassung sprechen zu hören. Allen voran Alan Rickman alias Severus Snape lässt einen trotz aller Bösartigkeit vor Freude schmunzeln. Natürlich sind die 3D-Effekte toll und allerhand SFX-Gefunkel will sich zeigen, aber das Faszinosum rührt von der Geschichte her.

Platon leicht gemacht

Im letzten Teil wird alles rund, alles fügt sich, macht Sinn, Fragen klären sich. Welche Rolle spielte Professor Snape? Warum fühlt Harry mit seinem Antagonisten Voldemort? Warum bringt ein simples Duell der beiden mit einem Sieger keinen Sieg? Bewundernswert hier die Konzeptionsleistung der Autorin: Sie wusste angeblich bereits, bevor sie begann, den ersten Teil zu schreiben, wie alles endet. Bei diesem Opus maximum wirklich schwer nach zu glauben. Genial ihre Fähigkeit, in einfacher Sprache zu erzählen und zu erklären. Sogar die Aussage von Platons Höhlengleichnis komprimiert sie ohne Qualitätsverlust. Der konfuse Harry, nicht wissend, ob schon im Himmel oder nur am Träumen, fragt: „Is this real? Or has this been happening inside my head?“ Darauf entgegnet der verstorbene Dumbledore: „Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean it is not real?“

Zwar wurde das Buch um einiges verkürzt, jedoch glücklicherweise nicht um eine andere wichtige Aussage: Im Krieg gibt es unvermeidlich Opfer. Nicht nur auf der Seite der Gegner bzw. da, wo es nicht so weh tut, wie Hollywoodproduktionen gerne weismachen wollen. Während der großen Final-Schlacht sterben viele bekannte und auch dem Leser liebgewordene Personen; beim Kampf für eine gute Sache, ohne dabei zu Helden stilisiert zu werden.

Bleibt zu hoffen, dieser letzte Teil bleibt der letzte Teil. Vor Sequels ist man ja nie wirklich sicher, aber der Zauberbursch ist zum Mann gereift, falls etwas nachgeschoben wird, muss es etwas neues sein, die Internatszeit ist definitiv vorbei.

Für Fans eh ein Muss, für alle anderen sicher ein Kann. Und zwecks besseren Verständnisses: Vorwissen ist ein Soll.

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