Grausame Türken

…sind ja ein Gerücht. Obwohl manche doch etwas barbarisch vorgehen.

Liebe Inländer!

Da ich ja seit einem Jahr auch Migrationshintergrund habe, bin ich zwar nicht unbedingt sozial unterprivilegiert, aber monetär auf jeden Fall. Als gewissermaßen arme Sau gehen sich daher Friseurbesuche mit adäquater Frequenz nicht aus. Vielmehr bin ich ein Quartalsgänger. Heute war an meinem Mähnenstand wieder einmal ein vollgemachtes Vierteljahr abzulesen.

Ich wollte eigentlich schon letzte Woche gehen, doch in meinem muselmanischen Stamm-Etablissement erklärte man mir, der einzige zum Schneiden bevollmächtigte Herr sei im Urlaub, aber ab Montag wieder zurück. Die Ferien hatte er etwas verlängert und so saß ich beim vierten Besuch heute nun endlich unter den geschickten Händen des anatolischen Meisterbarbiers. Ich war bisher immer sehr froh, dass er kaum Deutsch kann und ich überhaupt kein Türkisch. So war mir die mir unliebsame Coiffeur-Konversation immer erspart geblieben. Wie ich mich aber heute entspannt hinsetzte nach den Worten „Wie immer“ fragte er doch ganz kess:

„Un, was gib’s Neues?“

Panik ergriff mich, der Puls raste, das Sprachvermögen war vor Entsetzen eingegangen.

„Was??“

„Na was gib’s Neues?“

Verdammt. Nur einmal im Leben wollte ich mich in völliger Anonymität suhlen.

„Äh…äh…“

Da lenkte er zum Glück ein: „Okay, gib’s nix“, lachte und schwieg.

Dann kurz vor Schluss: „Kotelett lassen?“

Ich klar: „Ja, bitte lassen!“

Er gelassen: „Ah, machma weg, is besser!“, rasierte kurzerhand und degradierte seine Frage damit ohne verbleibenden Interpretationsspielraum zu einer rhetorischen.

Wohl fühle ich mich dort trotzdem. Man muss zwar auch mit Termin immer warten, aber die Zeit wird einem mit tollen Auto- und Societymagazinen verkürzt, mit türkischer Popmusik, hin und wieder sogar mit hausgemachten Blätterteigspeisen und buchstäblich versüßt mit Tee, der einem Zahnarzt Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Zum Schluss zum Thema Schnippeln und damit auch zum Ausgang zurück. Der Maître de Salon, zuständig für den Kundenkontakt, Dolmetscher, Unterhalter, Berater in Finanzfragen, Kinderbetreuer und Ober schob heute seinen kleinen Buben in einem Kinderwagen hin und her. Stolz erzählte er, dass er mit dem Kleinen in der Türkei war zur Beschneidung. Da fragte eine besorgte Kundin (die einzige nicht türkischsprechende, die ich dort je traf):

„Tat ihm das nicht weh?“

Darauf der Chef mit beruhigender Stimme: „Nein, nein, wurde eingeschläfert!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.